7. Wenn besser nicht mit würde!
Die Kirche unterscheidet Sünden verschiedener Art, die geringfügigsten Sünden nennt sie
"lässlich". Auch lässliche Stilsünden gibt es: Grammatisch sind diese Sünden nicht unbedingt falsch, sie machen den Stil auch nicht unbedingt unerträglich – aber stören können sie schon.
Bei Folgendem handelt es sich um so eine lässliche Stilsünde:
Sie können bei jedem Verb den Konjunktiv II auf zwei unterschiedliche Arten bilden: entweder durch Beugung des Verbs (ich käme, ich stürbe, ich könnte,...) oder mit dem Hilfszeitwort
würde und der entsprechenden Form des Infinitivs (ich würde kommen, ich würde sterben, ich würde können,...). Und hier müssen Sie sich eine Regel merken:
In wenn-Sätzen und anderen Bedingungssätzen besser kein
würde.
Diese Regel einzuhalten, birgt schon den Vorteil, dass bei der gleichzeitigen Verwendung des Konjunktivs II in Haupt- und Nebensatz keine hässliche Doppelung entsteht:
(1) Wir würden gehen, wenn er endlich
kommen würde.
(2) Wir würden gehen, wenn er endlich
käme.
(3) Wir würden gehen,
käme er endlich.
Beispiel (1) ist stilistisch nicht eben schön, besser wäre
eine Variante wie Beispiel (2); noch besser gefällt mir persönlich aber
Variante (3). Das gleiche gilt, wie erwähnt, auch für Bedingungssätze ohne
wenn:
(4) Wir würden ja
gehen, würde er
endlich kommen.
Auch Beispiel (4) ist eher schlechtes Deutsch und sollte
besser durch Variante (3) ersetzt werden. Wenn Sie aber den Konjunktiv II auch in einem Bedingungssatz durch
würde mit Infinitiv bilden wollen oder müssen, dann achten Sie wenigstens darauf, die
gleiche Bildung im Hauptsatz nicht wieder zu verwenden! » zurück zur Übersicht |