8. Der falsche Infinitiv
Auch die scheinbar
unschuldigste Form des Verbs, der Infinitiv, kann formal leicht Ärger
bereiten. Außerdem ist der Infinitiv eine schriftliche, eine literarische Form
des Verbs und selbst unter gebildeten Erwachsenen beim Sprechen selten: "Sei
doch so nett und gib mir das Buch!", sagen wohl die meisten – eher selten
aber: "Sei doch so nett, mir das Buch zu geben!" Das klingt auch unter
Akademikern etwas zu gedrechselt. Dabei gilt es zu beachten, dass es
Infinitive gibt, die entweder einfach nur hässlich sind oder aber
tatsächlich falsch!
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Der Infinitiv ist hässlich, wenn ein
zweiter Infinitiv von einem ersten abhängt; etwa hier: "Die Schulleitung hat
allen Grund, den Schülern zu verbieten,
während der Pause den Schulhof zu verlassen."
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Der Infinitiv ist falsch, wenn er eine
bereits gemachte Aussage tautologisch wiederholt, und das passiert vielen
Schreibenden häufiger, als ihnen vermutlich bewusst ist. Eine Formulierung
wie "Die Fähigkeit, Englisch sprechen
zu können" ist, streng genommen, genauso
falsch wie "Die Erlaubnis, den Schulhof
verlassen zu dürfen." In der
Fähigkeit steckt das Können nämlich schon drin, genauso wie das
Dürfen in der Erlaubnis. Richtig muss es also heißen: "Die
Fähigkeit, Englisch
zu sprechen" - und: "Die
Erlaubnis, den Schulhof
zu verlassen."
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Entsprechend sollten Sie immer alle
zu können,
zu
dürfen, zu wollen,
zu sollen oder zu
müssen daraufhin prüfen, ob sie nicht entweder getilgt oder durch
die konjugierte Form des Verbs ersetzt werden können.
Wenn Sie unsicher sein sollten, denken Sie an
den wunderbaren Mark Twain und seine nicht unberechtigte Klage, deutsche Sätze
zeichneten sich vor allem dadurch aus, dass, wenn man meine, sie seien endlich
zu Ende, immer noch ein "gehabt haben worden zu sein" nachhinke.
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