Wer studiert hat oder noch studiert, dürfte eine recht konkrete Vorstellung davon haben, welch ungeheures Ausmaß an Diskussionsbedarf an deutschen Universitäten vorzuherrschen scheint: Je nach Fachrichtung diskutiert man sich dabei gerne mal sprichwörtlich zu Tode, manchmal auch nur um des Diskutierens selbst willen. Paradox ist dabei, dass ausgerechnet die universitäre Ausbildung, die zu einem nicht unmaßgeblichen Teil aus Diskutieren und Argumentieren besteht, eben diese beiden Fertigkeiten in aller Regel nicht lehrt (es sei denn, man studierte etwa Rhetorik). Offenbar der Ansicht, richtiges Diskutieren sei eine ganz natürliche und daher voraussetzungslose Fähigkeit, lässt man Studenten stattdessen ungezügelt verbale Gefechte miteinander austragen, in denen argumentativ alles erlaubt, alles möglich scheint. Hemmungslos und unkontrolliert wird dabei die Debattierkeule geschwungen – immer so, wie es einem gerade in den Sinn kommt oder wenigstens zum eigenen Vorteil gereicht. Nicht selten führen solche Wortwechsel unter Studenten, die genau so diskutieren, wie sie es eben nie gelernt haben, zu Frustration.

Diese Frustration war mein persönlicher Anlass, mehr über richtiges oder vielmehr besseres Diskutieren und Argumentieren zu erfahren.

Diskussionen finden ja aber auch außerhalb der Universität statt, im "richtigen Leben"
sozusagen: Kaum ein Tag, an dem wir nicht argumentieren müssen – bei der Arbeit mit Mitarbeitern oder (schlimmer) Vorgesetzten; zu Hause mit den Kindern oder (schlimmer) dem Ehepartner; in der Freizeit mit Freunden oder (schlimmer) Studenten! Überall tragen wir die eigene Meinung vor, hören Argumente, stellen Fragen, erwarten und geben Antworten. Sogar im Urlaub kritisieren wir noch, begründen, fragen, antworten. Außerdem hören wir anderen Leuten beim Diskutieren zu – mal mit großem Interesse, mal eher beiläufig. Wir verfolgen etwa eine Fernsehdebatte zwischen Politikern oder eine ganz profane Talkshow; auch wenn wir eine Zeitung lesen, werden wir mit Argumenten konfrontiert.

Obwohl man also eigentlich davon ausgehen sollte, dass wir ausreichend Übung im Diskutieren haben, nehmen Diskussionen recht häufig einen eher unbefriedigenden Verlauf – eben weil richtiges Diskutieren gelernt sein will, von Studenten übrigens auch sollte!

Mein Versuch besteht darin, hier die wichtigsten praktischen Tipps zusammenzufassen, die sich generell als hilfreich für eine vernünftige Diskussionsführung erweisen. Diese praktischen Hinweise halte ich auch jenseits des Universitätsalltags für nützlich: etwa bei ganz alltäglichen Debatten, die für gewöhnlich viel emotionaler, bisweilen auch heftiger vonstatten gehen als etwa fachliche oder öffentliche Diskussionen. Diese Tipps werden einem natürlich nicht helfen, in Diskussionen immer Recht zu behalten (das scheint mir auch wenig sinnvoll), aber mit etwas Selbstdisziplin und vor allem viel Übung, davon bin ich überzeugt, werden sie dazu beitragen, dass man beim Diskutieren Fehler und Tricks schneller erkennt, leichter dagegen angehen kann – und auch selbst vermeidet!

 

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Wer sich darüber hinaus auch mit den theoretischen Grundlagen vernünftigen Argumentierens beschäftigen will, sei auf folgende Literatur verwiesen, der auch die hier angeführten praktischen Hilfestellungen entnommen sind:

Jürgen August Alt: Richtig argumentieren – oder wie man in Diskussionen Recht behält. München 2004.
Manfred Kienpointer: Vernünftig argumentieren. Regeln und Techniken der Diskussion. Reinbek 1996.

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